"Es gibt nur ganz wenige Erkenntnisse über vielleicht drei bis fünf Tiere, die das tatsächlich überlebt haben, aber auch das ist nicht sicher", bezweifelt Rainhard Frese, Direktor des Duisburger Zoos. "Fast sämtliche Projekte wurden unprofessionell und ohne wissenschaftliche Kontrolle durchgeführt". Eine der wenigen Ausnahmen ist die unter der Leitung von Professor DietmarTodt von der Freien Universität-Berlin durchgeführte Auswilderung des Schwarz-Meer-Tümmlers "Dicky". Vom Israelischen Delphinarium Eliat aus wurde er nach Russland transportiert, gründlich auf die freie Wildbahn vorbereitet und gemeinsam mit einem kurzfristig eingefangen wilden Delphinweibchen freigelassen. Er integrierte sich sofort. "Im folgenden Sommer kehrte er in Begleitung des Weibchens und anderen Delphinen von der Wanderung aus dem Süden an die russische Küste zurück". erklärt Dietmar Todt.
Spitzenreiter beim "Ex-und-Hopp"-Auswildern ist der Amerikaner Rick O`Barry, ehemaliger Trainer der "Flipper"-Fernsehdelphine. Er konvertierte 1970 zum Delphin-Befreier und will bereits gut ein Dutzend Tiere erfolgreich ausgesetzt haben. Doch die von ihm in die Freiheit Entlassenen entschwanden spurlos in die Weiten der Meere. Bis auf "Buck" und "Luther", die er 1996 illegal bei Key West auswilderte und die nach einer dramatischen Rettungsaktion wieder eingefangen werden konnten. Die beiden Delphine waren fast verhungert. Den bis heute in Sachen Auswilderung aktiven Delphinbefreier verdonnerte man wegen sechsfachen Verstoßes gegen US-Meeressäuger-Schutzgesetze zur Höchststrafe von 60 000 Dollar. Kein Trost für "Buck", der kurz nach dem Urteil an den Spätfolgen des Freiseins in den Armen seiner Betreuerin verstarb.
Der bekannteste Fall und bisher teuerste Freiheitskandidat ist der Orca "Keiko", Star des Kinohits "Free Willy". Über zehn Millionen Dollar Spendengelder wurden bisher für seine Freilassung aufgewandt. Doch der mittlerweile in Island in einem speziell konstruierten Unterwassergehege lebenden 4,5 Tonnen schwere Delphin weigert sich beharlich, Abschied von den Menschen zu nehmen. "Es ist ethisch fragwürdig, Millionen für einzelne Tiere aufzuwenden, während andererseits nicht genügend Mittel vorhanden sind, wild lebende Delphine vor dem Aussterben zu retten", sagt Professor Hrodivje Gomercic, Delphinforscher von der Universität Zagreb. Auch Artenschützer betrachten das Spenderherzen weit öffnende Geschäft mit der "Flipper" -Freiheit mit gemischten Gefühlen: "Auswilderungen sollten nur unter wissenschaftlicher Leitung stattfinden", so die Gesellschaft zur Rettung der Delphine aus München.
Denn wie in "Free Willy" einfach so über eine Hafenmauer zu springen, das funktioniert selbst in Hollywood nur mit Hilfe raffinierter Computertechnik.